Ist Alkohol krebserregend? Welche Krebsarten entstehen durch das Trinken?
Zusammenfassung

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, ob ein Glas Wein zum Essen oder ein Bier am Abend wirklich gesundheitliche Folgen haben kann. Gerade wenn du regelmäßig Alkohol trinkst, kann die Frage unangenehm sein: Ist Alkohol krebserregend – und kann ich durch meinen Konsum tatsächlich Krebs bekommen?

Solche Gedanken können Angst machen. Gleichzeitig hilft es dir womöglich, die wissenschaftlichen Erkenntnisse sachlich einzuordnen – ohne Panik und ohne Schuldzuweisungen. Denn beim Thema Alkohol und Krebs geht es nicht darum, einzelne Menschen für ihre Gewohnheiten zu bewerten.

In diesem Artikel erfährst du, was die WHO über Alkohol als Krebserreger sagt, welche Krebsarten mit Alkoholkonsum in Verbindung stehen, wie das Risiko beeinflusst wird und was ein Verzicht auf Alkohol verändern kann.

Ist Alkohol krebserregend? Das Wichtigste kurz zusammengefasst

  • Alkohol wird von der WHO und der International Agency for Research on Cancer als krebserregend eingestuft.
  • Das Risiko für bestimmte Krebsarten kann schon bei vergleichsweise geringen Mengen steigen.
  • Besonders betroffen sind zum Beispiel Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre, Leber, Darm und Brust.
  • Alkohol und Tabak können sich in ihrer schädlichen Wirkung auf bestimmte Krebsrisiken verstärken.
  • Weniger Alkohol oder ein Verzicht kann dazu beitragen, das persönliche Krebsrisiko zu reduzieren.

Alkohol als Krebserreger: Was sagt die WHO?

„Ist Alkohol krebserregend?“ Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand lässt sich das klar beantworten: Ja. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), stuft alkoholische Getränke als krebserregend für den Menschen ein (vgl. WHO). Dabei spielt es keine entscheidende Rolle, ob der Alkohol aus Bier, Wein oder Spirituosen stammt.

Für die Krebsentstehung ist vor allem der enthaltene Alkohol – genauer: Ethanol und seine Abbauprodukte – relevant. Das bedeutet nicht, dass jede Person, die Alkohol trinkt, zwangsläufig an Krebs erkrankt. Ein erhöhtes Risiko ist jedoch nicht dasselbe wie eine sichere Erkrankung. Wie hoch das persönliche Risiko ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Dazu gehören beispielsweise:

Die wissenschaftliche Aussage lautet daher nicht: Alkohol verursacht bei jeder Person Krebs. Sie lautet: Alkoholkonsum kann die Wahrscheinlichkeit bestimmter Krebserkrankungen erhöhen. Du musst nicht zwangsläufig immer auf deinen Lieblingsdrink verzichten. Oft macht die Dosis das Gift.

Welche Krebsarten können mit Alkohol zusammenhängen?

Der Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs ist für mehrere Organe wissenschaftlich gut untersucht (vgl. WCRF).

Mundhöhle und Rachen

Alkohol kommt beim Trinken direkt mit den Schleimhäuten von Mund und Rachen in Kontakt. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann hier das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen.

Speiseröhre

Auch für einen Krebs der Speiseröhre besteht ein Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Das Risiko kann besonders stark ansteigen, wenn zusätzlich geraucht wird.

Leber

Die Leber baut Alkohol ab. Regelmäßiger hoher Alkoholkonsum kann die Leber über längere Zeit schädigen und dadurch Prozesse begünstigen, die mit einem erhöhten Risiko für Leberkrebs verbunden sind.

Darm

Auch für Darmkrebs wurde ein Zusammenhang mit Alkoholkonsum beobachtet. Das Risiko kann unter anderem von der konsumierten Menge und der Dauer des Konsums abhängen.

Brustkrebs

Bei Frauen besteht ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und einem erhöhten Brustkrebsrisiko. Dabei kann das Risiko bereits bei Mengen steigen, die gesellschaftlich häufig als moderat wahrgenommen werden.

Wie viel Alkohol erhöht das Krebsrisiko?

Wie viel Alkohol ist noch okay? Gerade beim Thema Alkohol und Krebsrisiko ist diese Frage verständlich.

Das Risiko steigt nicht bei allen Menschen gleich stark und nicht für alle Krebsarten in gleichem Maß. Grundsätzlich gilt jedoch: Mit zunehmendem Alkoholkonsum steigt bei mehreren Krebsarten auch das Risiko. Dabei kann bereits regelmäßiger Konsum kleinerer Mengen relevant sein. Das bedeutet nicht, dass ein einzelnes Glas automatisch zu einer Erkrankung führt. Ab und zu deinen Lieblingswein zu genießen, sollte wahrscheinlich kein Problem sein. Im Zweifelsfall beraten dich Ärzt:innen hierzu aber gern.

Krebs entsteht in der Regel durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren über einen längeren Zeitraum. Wenn du deinen Konsum reduzieren möchtest, musst du deshalb nicht darauf warten, dass du „genug“ trinkst, um etwas verändern zu dürfen. Jede Reduktion kann ein Schritt sein, der deine gesundheitliche Belastung verringert.

Wie entsteht Krebs durch Alkohol?

Wenn Alkohol im Körper abgebaut wird, entsteht unter anderem Acetaldehyd. Dieser Stoff kann die DNA und andere Zellstrukturen schädigen (vgl. IARC, 2012). Wird die DNA wiederholt beschädigt, können sich Veränderungen in Zellen ansammeln, die langfristig die Entstehung von Krebs begünstigen können. Alkohol kann außerdem weitere Prozesse beeinflussen, die bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen.

Dazu gehören unter anderem Veränderungen des Hormonhaushalts, Entzündungsprozesse und die Beeinträchtigung der Aufnahme bestimmter Nährstoffe. Bei Brustkrebs spielt beispielsweise Östrogen eine wichtige Rolle. Alkohol kann den Hormonhaushalt beeinflussen und dadurch möglicherweise zur Entstehung hormonabhängiger Tumoren beitragen.

Der Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs ist also nicht auf einen einzigen Mechanismus zurückzuführen. Verschiedene biologische Prozesse können zusammenwirken, müssen es aber nicht zwingend immer und bei jedem Menschen.

Alkohol und Krebs in Kombination mit Rauchen

Besonders relevant ist die Kombination aus Alkohol und Tabak. Wenn du sowohl rauchst als auch Alkohol trinkst, kann sich das Risiko für bestimmte Krebsarten deutlich stärker erhöhen, als es durch einen der beiden Faktoren allein der Fall wäre. Das betrifft insbesondere Krebsarten im Bereich von:

  • Mundhöhle
  • Rachen
  • Kehlkopf
  • Speiseröhre

Alkohol kann die Schleimhäute schädigen und möglicherweise die Aufnahme bestimmter krebserregender Stoffe aus dem Tabak erleichtern. Gleichzeitig belastet das Rauchen den Körper mit weiteren krebserregenden Substanzen.

Wenn du nicht nur rauchst, sondern auch regelmäßig Alkohol trinkst, kann eine Veränderung bei einem oder beiden Faktoren deshalb gesundheitlich besonders relevant sein. Auch hier gilt: Du musst nicht alles gleichzeitig verändern. Ein erster Schritt kann bereits darin bestehen, dir Unterstützung für eine konkrete Veränderung zu suchen.

Schützt Abstinenz vor Krebs?

Wenn du keinen Alkohol trinkst, vermeidest du jedoch die alkoholbedingte zusätzliche Belastung, die das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen kann. Alkohol, Krebs, Abstinenz – wie hängt das zusammen?

Ob und wie stark sich ein bereits erhöhtes Risiko nach einem Trinkverzicht wieder verringert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die bisherige Konsummenge, die Dauer des Alkoholkonsums und die jeweilige Krebsart.

Ein Verzicht auf Alkohol bedeutet aber auch nicht, dass eine Krebserkrankung sicher verhindert wird. Krebs hat meist mehrere Ursachen, und nicht alle Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Trotzdem kann ein geringerer Alkoholkonsum ein sinnvoller Schritt sein. Wenn du bisher regelmäßig Alkohol getrunken hast, kann eine Reduktion dazu beitragen, deine alkoholbedingte gesundheitliche Belastung zu verringern.

Wie kannst du dein Krebsrisiko reduzieren?

Wenn du nach diesen Informationen denkst: Vielleicht möchte ich meinen Alkoholkonsum tatsächlich verändern, musst du nicht auf eine bestimmte Diagnose oder einen bestimmten Anlass warten. Du kannst zunächst überlegen, welcher Schritt für dich realistisch ist:

  • alkoholfreie Tage in der Woche einplanen
  • die Trinkmenge bewusster beobachten
  • bestimmte Situationen ohne Alkohol gestalten
  • Unterstützung bei der Veränderung deiner Gewohnheiten suchen

Manchen Menschen hilft es, zunächst aufzuschreiben, wann und in welchen Situationen sie trinken. Dadurch können Muster sichtbar werden: Alkohol nach einem stressigen Arbeitstag, beim Einschlafen, in Gesellschaft oder als Möglichkeit, unangenehme Gefühle kurzfristig zu dämpfen. Wenn du deinen Alkoholkonsum reduzieren möchtest, kann es hilfreich sein, genau diese Situationen in den Blick zu nehmen.

Welche Funktion hat Alkohol für dich – und was könnte dir an dieser Stelle alternativ helfen? Wenn du regelmäßig viel Alkohol trinkst oder eine körperliche Abhängigkeit besteht, solltest du allerdings nicht ohne medizinische Unterstützung plötzlich vollständig aufhören. Ein Entzug kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen und sollte gegebenenfalls ärztlich begleitet werden. Sprich vorher mit deinen Ärzt:innen und lass dich beraten.

Digitale Unterstützung bei problematischem Alkoholkonsum: vorvida

Viele Betroffene bemerken, dass Alkohol zunehmend zur Bewältigung von Stress, Belastungen oder schwierigen Gefühlen genutzt wird. Genau an diesem Punkt kann Unterstützung besonders hilfreich sein.

vorvida, eine digitale Therapie zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums, begleitet dich dabei, deinen Alkoholkonsum besser zu verstehen, persönliche Auslöser zu erkennen und nachhaltige Veränderungen im Alltag umzusetzen. Mit interaktiven Übungen, psychologischen Methoden und individueller Begleitung unterstützt dich die digitale Therapie dabei, neue Gewohnheiten zu entwickeln.

vorvida ist auf Rezept kostenlos erhältlich. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Nach der Verordnung durch deine Ärzt:innen oder Therapeut:innen erhältst du einen Freischaltcode und kannst direkt mit vorvida starten.

Fazit – Alkohol kann Krebs begünstigen

Alkohol ist krebserregend und kann das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöhen. Dazu gehören unter anderem Krebserkrankungen der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre, der Leber, des Darms und der Brust. Wie hoch dein persönliches Krebsrisiko durch Alkohol ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine sichere, für alle Menschen geltende Menge, bei der Alkohol vollständig ohne Krebsrisiko wäre, lässt sich nicht festlegen. Mit zunehmendem Konsum steigt jedoch bei mehreren Krebsarten auch das Risiko.

Besonders ungünstig kann die Kombination aus Alkohol und Rauchen sein. Wenn du deinen Alkoholkonsum reduzierst oder ganz auf Alkohol verzichtest, kannst du deine alkoholbedingte gesundheitliche Belastung verringern. Das ist keine Garantie dafür, niemals an Krebs zu erkranken – aber es kann ein sinnvoller Schritt sein, den du selbst beeinflussen kannst.

Wenn du etwas verändern möchtest, musst du nicht alles allein schaffen. Unterstützung kann dir helfen, deine Gewohnheiten besser zu verstehen und schrittweise neue Wege im Alltag zu finden. Dranbleiben lohnt sich oft.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Auswirkungen von Alkohol

Nach dem aktuellen Stand der Forschung gibt es keinen wissenschaftlich eindeutig belegten Schwellenwert, unterhalb dessen Alkoholkonsum vollständig ohne Krebsrisiko wäre. Grundsätzlich gilt: Je weniger Alkohol du trinkst, desto geringer ist die alkoholbedingte Belastung für deinen Körper und damit auch das Risiko für alkoholbedingte Krebserkrankungen.

Alkoholkonsum steht unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Krebs der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre, der Leber, des Darms und der Brust in Zusammenhang. Das persönliche Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa der Trinkmenge, der Dauer des Konsums und weiteren individuellen Risikofaktoren.

Ja. Alkoholische Getränke werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziehungsweise der International Agency for Research on Cancer (IARC) als krebserregend für den Menschen eingestuft. Entscheidend ist dabei nicht, ob du Bier, Wein oder Spirituosen trinkst – ausschlaggebend ist der enthaltene Alkohol (Ethanol) und dessen Abbauprodukt Acetaldehyd.

Quellen